Tanzen ist wie Medizin

Viele epidemiologische Studien haben in den letzten Jahren bewiesen, dass Sport das Risiko vermindert, an Demenz und Alzheimer zu erkranken.  Körperliche Bewegung erhöht die Produktion des Wachstumsfaktors BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factor) im Gehirn. Er ist für die Bildung und den Schutz von Nervenzellen im Hippocampus zuständig und außerdem für das Langzeitgedächtnis wichtig.

Interessant ist, dass Sportarten wie Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Fitnesstraining weniger Nutzen brachten als Tanzen, da das Gehirns hier weniger angestrengt wurde. An der neurologischen Uniklinik in Magdeburg wurden 60 Senioren, die im Schnitt 68 Jahre waren, sechs Monate lang untersucht. Eine Hälfte machte Fitnesstraining, die andere absolvierte einen Tanzkurs mit Formationstanz. Sie trafen sich zweimal die Woche für 90 Minuten und lernten die unterschiedlichsten Genres, von Latin, über Country, zu Jazz und Rock’n’Roll. Es war ein spielerisches Lernen, verbunden mit Musik, die auch Emotionen weckte und so Körper und Geist positiv beeinflusste.

Am Ende der Studie hatten die Teilnehmer des Tanzkurses eine deutlich verbesserte Aufmerksamkeit, auch Wachsamkeit, Flexibilität und Gleichgewicht hatten sich verbessert. Bei den Sportlern hingegen nur die Wachsamkeit.

Im Gleichtakt mit einer anderen Person übers Parket zu gleiten und die verschiedenen Schrittkombinationen und Figurenfolgen im rhythmischen Zusammenhang zu trainieren, war ungleich herausfordernder, wurde aber viel spielerischer erlebt, als das ständig sich wiederholende Fitnesstraining.  Ganz nebenbei wurden beim Tanz noch der Gleichgewichts- und der Orientierungssinn geschult. Von der guten Stimmung, die dabei entstand, ganz zu schweigen.

Wenn regelmäßig getanzt wird, beginnen sich Nervenzellen neu zu verschalten und das Gehirn wird wieder leistungsfähiger. Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Abbau der geistigen Fähigkeiten bei einer schon beginnenden Demenz leicht verzögert.